Was ist Qigong?

„Den unsterblichen Geist des Tales nennt man das mystisch Weibliche; die Öffnung des mystisch Weiblichen nennt man die Wurzel von Himmel und Erde.“

(Laotse)

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Qigong hat seine Wurzeln nicht nur in der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) sondern auch im Daoismus. Diese Lebensanschauung existiert in China seit mehr als 12.000 Jahren. Die Grundsätze des Daoismus und seine Philosophie richten sich nach den unvergänglichen Gesetzen des Universums. Das Dao, die höchste Wirklichkeit, die Große kosmische Mutter, regelt alle Dinge im Universum und hält es im Gleichgewicht. Aus dieser Erkenntnis ist das Konzept von Yin und Yang und den 5 Wandlungsphasen entstanden.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/web-wasserfall.jpgDie Gesetze des Dao zu folgen erfordert, in Einklang mit dem Universum und der Natur zu leben. Es bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein und auf die von außen kommenden Energien und Geschehnisse entsprechend zu reagieren. Im Einklang mit dem Dao zu leben heißt auch, behutsam mit den eigenen Energiereservois umzugehen und Energiedefizite sofort auszugleichen – mit angemessener Ernährung, Naturmedizin und Qigong-Übungen, mit Massagen und Akupunktur.

Unser höchstes Gut ist die Essenz (Jing), das Energiepotenzial unserer Vorfahren, der innere Wohlstand, den wir als Startkapital mit auf den Weg bekommen haben. Diese Essenz zu bewahren, zu stärken und zu vermehren, ist das Geheimnis des DAO – der göttliche Weg zur Unsterblichkeit.

Der Begriff „Unsterblichkeit“ beinhaltet für Daoisten mehr, als nur eine unbegrenzte Lebensspanne zu erreichen. Unsterblichkeit bedeutet, dem ewigen Kreislauf von Leben und Sterben nicht mehr unterworfen zu sein und in einem Zustand von bester Gesundheit, Glückseligkeit und Weisheit zu leben.

Daoisten sind in der Lage, mit Qigong-Übungen Energie aus der Natur, aus der Erde und den Himmelsplaneten zu extrahieren, um Körper und Geist zu beleben. Sie leben in der Gesellschaft, ohne sich von kulturellen Strömungen mitreißen zu lassen.

Auch uns ist es möglich, diese Gelassenheit und innere Ruhe zu erlangen, wenn wir lernen, uns mit Qigong-Übungen in den großen Kreislauf einzubinden und mit dem mystisch Weiblichen zu verbinden.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/web-lotusblume.jpgDie Nutzbarmachung der kosmischen Gesetze, das Geheime und Mystische, liegt in den praktischen Übungen des Qigong verborgen. Sie umfassen Atem-, Körper- und Konzentrationsübungen. Die Wurzeln des Qigong gehen auf die alten schamanischen Traditionen zurück, aus denen sich der Daoismus entwickelt hat. Die harten Lebensbedingungen erforderten es, sich den Gesetzen der Natur anzupassen. So sind viele Qigong- Übungen den Bewegungen der Tiere nachempfunden und viele Übungsnamen weisen auf den Bezug zur Natur hin. Aufzeichnungen von Qigong-Übungen gibt es erst seit der Neuzeit. In alten Zeiten waren die Übungen geheim und wurden nur von LehrerIn an SchülerIn weitergegeben.

Wörtlich übersetzt heißt Qigong „Arbeit mit dem Qi“. Als Qi wird die Energie bezeichnet, die den Menschen am Leben erhält. In der daoistischen Tradition unterscheiden wir vorgeburtliches und nachgeburtliches Qi. Das vorgeburtliche Qi ist die bereits erwähnte Essenz, die wir von den Eltern erben. Sie bestimmt unser Geschlecht, unseren Körper mit seinen Stärken und Schwächen. Das nachgeburtliche Qi setzt sich aus der Energie der Luft, die wir atmen, und der Energie des Wassers und der Nahrung, die wir aufnehmen, um unser Leben aufrechtzuerhalten, zusammen. Das vorgeburtliche und das nachgeburtliche Qi erhalten uns am Leben und bestimmen den Zustand unserer Gesundheit.

tl_files/devananda/bilder-bei-texte/82425985_m.jpgLeben bedeutet ein ständiges Aufnehmen und Abgeben von Qi. Das vorgeburtliche Qi wird im Laufe des Lebens verbraucht, der Alterungsprozess sorgt dafür, dass die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit abnimmt. Wir können diesen Prozess durch Qigong-Übungen beeinflussen, die Gesundheit verbessern und die geistige Entwicklung unterstützen.

Ziel ist es, die Aufmerksamkeit in der Gegenwart zu halten, Altes loszulassen, damit Neues entstehen kann. Dieses Vorgehen erfordert ein gewisses Maß an Disziplin und Begeisterung und die Entwicklung einer ausgeglichenen Geisteshaltung. Wenn der Körper in Harmonie ist, kann der Geist sich entwickeln.

Die Qigong-Übungen öffnen die Energietore und die Energieleitbahnen (Meridiane) für die Energiequellen, die uns Himmel und Erde zur Verfügung stellen. So ist es einem Qigong-Übenden z. B. möglich die Energie der Erde aufzunehmen, um einen ruhigen und entspannten Zustand herbeizuführen. Indem wir unsere Aufmerksamkeit schulen, lernen, das Qi zum Fließen zu bringen und die Energietore zu öffnen, wird der eigene Körper ein Instrument, das sich auf die kosmischen Veränderungen einstimmen kann.

Qigong ist ein Stufenweg:

Der Übungsweg - von der äußeren Bewegung zur inneren Ruhe:

  1. Erlernen der äußeren Bewegung
  2. Die Bewegung rund und weich werden lassen
  3. Die Statik der Gelenke und des Körpers korrigieren und ausrichten
  4. Wahrnehmung immer feinerer Dimensionen des Körpergefühls
  5. Bewusstes Einsetzen und Führen des Qi (als Bindeglied zwischen Essenz und Geist)
  6. Anpassung der Atmung an die Übung (dadurch entsteht Harmonie zwischen äußerer und innerer Bewegung, zwischen Atem, Geist und Körper, zwischen Essenz, Qi und Shen)
  7. Üben in gelassener Heiterkeit (die Muskeln und Sehnen entspannen sich noch mehr und eine tiefe Wirkung kann die Knochen erreichen und bis „ins Mark“ gehen. Damit werden tiefe Körperschichten, wie das Immunsystem und tiefe Bewusstseinsebenen erreicht.

Die drei Ebenen des Übens und der Wirkungen entfalten sich somit wie folgt:

Zuerst verändern wir die äußere Haltung und erlernen den Ablauf der Übungen. Wir richten unsere ganze Aufmerksamkeit auf unser Skelett, unsere Knochen, - Essenz - die ausgerichtet und gesundheitsschonend belastet werden. Dies ist die unterste Stufe – die Erde.

Durch diese Ausrichtung lockern sich allmählich verschiedene Sehnenansätze, was wiederum zu entspannten Muskeln führt. Dies erhöht den Fluss von Qi und Blut. Die Stufe des Menschen – die mittlere Ebene – ist erreicht.

Wenn viel Qi und Blut durch die Gliedmaßen fließen, entspannen sich die Muskeln und Organe weiter, Blockaden lösen sich. Der Geist/Shen kann ruhig werden. Ein entspannter und geschmeidiger Körper ist auf feinstofflicher Ebene viel ruhiger und strahlt so auf den Geist. Die höchste Stufe – der Himmel ist erreicht.

Außerdem erzeugt die Art der äußeren Bewegung innere Ruhe. Der Kaiser, das „Herz“ wird still. Diese tiefe Stille und Gelassenheit wiederum „strahlt“ zurück in die mittlere Ebene und erhöht weiter den Fluß von Qi und Blut, weitet die Gefäße und den Geist.

Zu keiner Zeit sollten die Heiterkeit des Herzens und die Gelassenheit des Geistes verloren gehen.

"Lehrer öffnen dir die Tür... über die Schwelle treten musst du selbt."

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